Dienstag, 2. Juli 2013

How to say goodbye?

Seid ich aus Miami wieder da bin, fragen mich logischerweise alle, wie mein Urlaub so war. Und irgendwie fällt mir die Antwort darauf immer schwerer. Einerseits fühlte es sich zwar an wie Urlaub, aber andererseits fühlte es sich eher wie eine Verabschiedung an.
Eine Verabschiedung von meiner Oma.
Daher hab ich auch kaum Fotos von Miami gemacht, da muss ich euch enttäuschen. Ich hab eigentlich nur Familienfotos gemacht...

Im Grunde genommen waren es tolle zwei Wochen. Zwei Wochen voller Sonne, gute Laune und jeder Menge Familie um mich herum. Es tat soooo gut, alle mal wiederzusehen und vor allem alle zusammen wiederzusehen. Das ist ja auch nochmal etwas besonderes. Aber trotz dieser schönen Zeit, gab es natürlich den einen Tag, der uns nicht vergessen ließ, warum wir alle zusammen gekommen waren.
Eigentlich war es ein fröhlicher Anlass: der 90. Geburtstag meiner Oma.
Aber irgendwie wurde ich - und werde ich auch immer noch nicht richtig - das Gefühl nicht los, dass es ein trauriger Anlass war: ein Abschied.

Der Garten meiner Tante war grandios geschmückt. Alles sah aus wie bei einer Hochzeit. Wir haben alle geholfen, alles dekoriert und uns schließlich fein gemacht. Meine Omi hat sogar eine kleine Krone bekommen und saß wie eine kleine Prinzessin vor Kopf. Ich hab euch ja, glaub ich, schon mal erzählt, dass meine Mutter noch sechs Geschwister hat. Alle sieben haben eine kleine Rede gehalten, die ich Gott sei Dank kaum verstanden hab - ihre Muttersprache ist Creolisch, das kann man zwar etwas verstehen, wenn man Französisch kann, aber eben nicht 100%ig - sonst wäre ich wohl schon eher in Tränen ausgebrochen. So konnte ich mich zumindest zusammenreißen bis meine große Cousine etwas sagen wollte. Sie stand auf, um zu unserer Oma zu gehen und sofort liefen ihr die Tränen, dass sie kaum sprechen konnte. Es war herzzerreißend und ich konnte meine Tränen auch nicht länger aufhalten. Es waren ungefähr 50Gäste geladen, die sieben Kinder, die Enkel und Urenkel und zahlreiche Neffen und Nichten mit ihren Kindern. Alle waren unheimlich gerührt, da jede Rede über die Liebe zur Familie und die Dankbarkeit ging. Auch meine kleine Schwester wollte in unserem Namen etwas sagen und brach natürlich auch in Tränen aus. Nun war es auch um meine Oma geschehen, die ihre Tränen nicht mehr länger verbergen konnte. Ich hab mich wirklich kaum mehr eingekriegt, sowas kann ich echt nicht gut verkraften. Ich hab auch gleich zu meiner Cousine neben mir gesagt, dass ich nicht zur Omas Beerdigung kommen kann, wenn es mal soweit sein sollte. Das verkrafte ich einfach nicht.
Eigentlich war es so ein fröhlicher Tag, aber irgendwie kam er mir so traurig vor....

Und dann sind wir heimgeflogen, der "Urlaub" war vorbei. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Zeit mit meiner Oma vorbei war und ich mich von ihr verabschieden müsste, als würden wir uns nicht mehr wieder sehen. Aber wie verabschiedet man sich von jemandem, der nicht im Sterben liegt, aber den man vielleicht trotzdem gerade zum letzten Mal sieht?

Meine Schwester hat meiner Oma einen Brief geschrieben. Obwohl sicher die meisten von mir denken würden, dass ich gut über meine Gefühle sprechen kann, stimmt das nicht so ganz. Ich kann über jedes Gefühl gut sprechen, nur nicht über Trauer. Ich hasse Trauer. Vor allem Trauer über Dinge, die man nicht ändern kann. Daher versuche ich den Menschen, die mir wichtig sind meine Liebe zu zeigen, so lange sie leben, damit es später nichts gibt, was ich bedauern muss, außer dass die Person nicht mehr da ist.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Huhu,
rührender Text! ich kann das so nachempfinden, ich bin auch so sehr am wasser gebaut :)
die familie ist das wichigste...ich bin mit mitte 20 an einem punkt, wo ich sage, ich hätte meine familie gerne als ganzes um mich...am liebsten für immer...man muss die zeit genießen, die man mit seinen lieben hat.
mein vater ist vor einem halben jahr gestorben und ich weiss, wie es ist, wenn jem fehlt.

liebst, sabina

MrsSternstunden hat gesagt…

Was für ein Text! Jetzt habe ich Tränen in den Augen und alles, was in den letzten Monaten bei mir passiert ist, kommt wieder hoch...

Ich kann dir nur raten, positiv in die Zukunft zu blicken, dich an all die schönen Dinge des Urlaubs zu erinnern und den regelmäßigen Kontakt zu deinen vielen Familienmitgliedern aufrecht zu erhalten.

Family - where life begins and love never ends!

:-*

Emilie hat gesagt…

Das hat mir echt die Tränen in die Augen getrieben... Ich kann dich gut verstehn. Meine Großelern leben in Frankreich und irgendwie hat sich in der letzten Zeit immer öfter das Gefühl eingeschlichen, dass dies vllt. der letzte Besuch sein könnte. Ich drücke sie jedes Mal etwas fester zum Abschied, lasse mir aber nichts anmerken. Für sie ist es bestimmt schöner, wenn alles normal ist.
Liebe Grüße

Herzkirsche hat gesagt…

Ich kenne dieses Gefühl jedes mal wenn ich von meiner mittlerweile 92 jährigen Großtante wegfahre. Es ist nicht Miami aber um "mal eben" hinzufahren leider doch zu weit weg..
Halt den Kopf hoch Süsse! 90 Jahre ist ein mehr als stolzes Alter.. Sei dankbar das du "so lange was von ihr hattest".. Meine Omi ist nur 73 geworden..:(

Schreib ihr auch einen Brief.. Mit etwas Abstand zu der ganzen Sache.. Du wirst sehen wie gut das tut!
Drück dich!

Windmeer hat gesagt…

Danke für diesen Artikel - ich kann es so gut nachvollziehen. Und ja, schreibe ihr auch einen Brief mit deinen Gedanken.

♥ Schokofee ♥ hat gesagt…

Ja, die Familie ist mir wirklich sehr wichtig. Tut mir sehr leid um deinen Vater. Das muss echt schwer sein. Ich wünsch dir ganz viel Kraft für die Zukunft. ♥

♥ Schokofee ♥ hat gesagt…

Ja, du hast in letzter Zeit ja auch was mitgemacht. Musste auch an dich denken. Ich hoffe, es ist nicht allzu schlimm, dass jetzt alles wieder hochkommt. Im Prinzip sind es ja auch nur unsere schönen Erinnerungen, die uns die Person so vermissen lassen.
Danke auf jeden Fall für deine aufmunternden Worte. :-*

♥ Schokofee ♥ hat gesagt…

Ja stimmt, deine Großeltern wohnen ja auch nicht gerade um die Ecke. Aber nach Frankreich kann man immerhin öfter fahren als in die USA. Wirklich unverschämt, was da so ein Flugticket kostet. :/

♥ Schokofee ♥ hat gesagt…

Ich bin sehr dankbar, dass sie schon so alt geworden ist. 73 ist dagegen wirklich kein Alter. Aber dafür hast du eine Großtante. Ich hab nur noch diese eine Oma, alle anderen Großeltern sind schon tot. Vielleicht ist es mir deswegen auch so wichtig, dass sie noch einige Jahre lebt, denn sonst wären die nächsten meine Eltern. -,-

♥ Schokofee ♥ hat gesagt…

Hmm, ja eigentlich keine schlechte Idee, aber da sie selbst nicht mehr so gut sieht, um zu lesen, müsste ihn ihr jemand vorlesen. Im Prinzip ja auch gar nicht schlimm, dass ist mit dem Brief meiner Schwester ja genauso. Das Problem ist eher, dass ich nicht weiß, was ich schreiben soll. Im Prinzip hab ich ihr ja alles gesagt....ich glaub, meine Schwester hat ihren Brief u.a. vielleicht auch geschrieben, weil sie nicht so gern Französisch mit meiner Oma spricht. Ich hab damit aber kein Problem und ihr daher eigentlich alles gesagt, was ich hätte schreiben wollen...

Ich hab eher das Bedürfnis mehr Zeit mit ihr zu verbringen, sie einfach um mich haben zu wollen...